Neujahrsempfang 2010

Griesheimer Anzeiger, 19.01.2010 | Die wirtschaftliche Lage in Griesheim sehe unterschiedlicher denn je aus, zog Roland Busch beim Neujahrsempfang des Gewerbevereins ein Fazit für das Jahr 2009. Nach einem Einbruch des Wirtschaftswachstums um fünf Prozent im vergangenen Jahr rechne man in 2010 mit 1,5 Prozent Wachstum. Während die Einzelhändler in Darmstadt bereits die Konkurrenz durch das neue Einkaufszentrum „Loop 5“ zu spüren bekämen, habe das auf Griesheim noch keine negativen Auswirkungen gehabt, so der Vorsitzende des Gewerbevereins am Sonntagvormittag im Pavillon des „Haus Waldeck“.

Die Mitglieder des Gewerbevereins und auch zahlreiche Gäste aus Politik und dem Griesheimer Vereinsleben blickten auf ein ereignisreiches Jahr 2009 zurück, in dem eine Gewerbeschau organisiert worden war, die „auch über Griesheim hinaus“ Beachtung gefunden habe, urteilte Busch. Auch fand zum ersten Mal ein Spätsommerfest am Nordring statt.

Der Beurteilung der schwierigen wirtschaftlichen Lage schloss sich Bürgermeister Norbert Leber an. „Der Rückgang der Wirtschaft war noch nie so groß wie zuvor.“ Keiner wisse, wie sich die Wirtschaft weiterhin entwickle. Allein in Griesheim sei die Einkommensteuer um 20 Prozent eingebrochen, berichtete Leber. Gleichzeitig bürde der Gesetzgeber den Kommunen immer mehr Aufgaben auf. Dadurch stünden viele freiwillige Leistungen der Kommunen auf dem Prüfstand.

Mit „Yes we can“, „I have a dream“ und „Ich bin ein Berliner“ begrüßte im Anschluss Rhetorik-Trainer Ralf A. Zunker die Gäste des Neujahrsempfangs und hatte durch den eher unkonventionellen Beginn seines Vortrags die Aufmerksamkeit gleich auf seiner Seite. In dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage setzt der Gewerbeverein auf Service und Dienstleistung, um sich von den großen Konkurrenten abzusetzen. Passend zu diesem Ziel hatte Roland Busch den Rhetorik- Trainer als Redner eingeladen. Aus Zunkers Redebeitrag wurde allerdings mehr: Die Zuhörer fanden sich in einem einstündigen Rhetorik-Seminar wieder.

Mit einfachen Beispielen verdeutlichte Zunker „die Magie der charismatischen Rede“. So zeigte er, dass ein Großteil der menschlichen Kommunikation über Körpersprache und Betonung, und nicht über den Inhalt einer Aussage vermittelt wird. Mit eingezogenen Schultern und angelegten Armen verwandelte sich Zunker in einen schüchternen, zurückhaltenden Redner. Einen Augenblick später gab er mit locker herabhängenden Armen und entspannter Körperhaltung wieder ganz den Profi.

„Bei der Referentenwahl versuche ich jemanden zu finden, der spannend ist und bei dem die Leute etwas mitnehmen können“, meinte Roland Busch nach dem Vortrag, während die Gäste zu den Klängen von Jürgen Rückert am Klavier ins Gespräch kamen. Busch hatte den Referenten Ralf Zunker bereits bei einem Vortrag der IHK kennengelernt. Ein paar der Rhetorik-Kniffe lassen sich in der Tat für Geschäftsleute schnell umsetzen. Und vielleicht nutzt ja auch der eine oder die andere unter Griesheims Politikern das Erlernte im nächsten Wahlkampf? sh

Quelle: Griesheimer Anzeiger